Weihnachten – Fest der Liebe oder doch des Konsums?

Ja, wir haben erst Mitte November und ja, das bedeutet für mich schon Panik, weil ich Eine bin, die die letzten 6-8 Wochen vor Weihnachten schon durchdreht, was Geschenke für Familie und Freunde angeht, nur um 2 Tage vor Weihnachten Allen unter die Nase zu reiben, dass meine Geschenke ja schon seit Wochen fertig sind und ich die ganze Hektik nicht verstehe.

Wo wir schon beim Thema sind: Geschenke. Ich für meinen Teil LIEBE Geschenke. Also wirklich alle Arten, egal ob selbst gemacht, gekauft oder einfach nur der sagenumwobene Briefumschlag mit Geld drin. Und ich liebe es auch, diese Geschenke zu machen. An Weihnachten ganz besonders, einfach, weil die Stimmung und das Geschmückte so ruhig und besinnlich ist und einfach dazu einlädt, Anderen eine nette Überraschung zu machen. Nur komme ich mit dieser Konsummentalität um diese Zeit herum nicht klar.

Versteht mich nicht falsch, Konsum ist super und Nerdventuretime ist der perfekte Beweis dafür, nur dieses zwanghafte “Ich MUSS dies und das kaufen, um es Freund X und Familienmitglied Y zu schenken” nicht. Aber geht es an Weihnachten und beim Geschenkekauf wirklich darum? Geht es nicht eigentlich darum, etwas von Herzen zu schenken und nicht, weil ich es muss?

Früher war Alles irgendwie dahingehend besser, und nein, nicht weil von mir als Kind keiner verlangte, dass ich was schenken muss, sondern weil die Geschenke der Anderen immer utopischer und teurer werden. Es wird sich nicht mehr gewünscht oder gefreut über das, was man wirklich braucht, nein, es wird eine Amazon Whishlist angefertigt, die rumgeschickt und von Familie und Freunden abgearbeitet wird. Auch ich erwische mich dabei, mir großes, teures Zeug zu wünschen. Weils einfacher ist und wenn Jeder in der Familie ein bisschen Geld dazu gibt ist das auch gar nicht sooo teuer. Oder so. Aber ganz ehrlich? Letzten Endes spare ich lieber monatelang und kaufe mir mein gewünschtes Zeug selber, da spielt dann innerlich der “Truhen-Öffne”-Sound von Zelda ab, sobald ich den Laden verlasse.

Auch mit Euch bin ich was das Thema angeht in Kontakt getreten und habe viele interessante Gespräche geführt und der Großteil sieht das genauso wie ich: Nach Whishlist einkaufen macht es zwar bequemer und derjenige “bekommt das, was er will”, aber am Ende sind doch die Sachen, die von Herzen kommen, die Schönsten. Weil sie persönlicher sind als irgendein teurer, gekaufter Quatsch.

Aber was tun, wenn man zwei linke Hände hat und nichts basteln kann? Nehmt euch Zeit und verbringt diese mit euren liebsten Menschen, denn das ist das Kostbarste auf der Welt. Und darum sollte es meiner Meinung nach an Weihnachten – dem Fest der Liebe – gehen.

Aber genug mit Geschenken und Nettigkeiten, kommen wir jetzt zum schlimmsten Konsumtrend und Geldbeuteltöter in der Weihnachtszeit: Die “Traditionen” dahinter.

Sie sind super schön anzusehen, bunt, glitzern und stahlen Gemütlichkeit aus und doch sind sie das Schlimmste, was passieren konnte: Weihnachtsmärkte. Nicht, weil ich trotz meines schmalen und kleinen Körpers nicht durch die von Glühwein betrunkene Menschenmasse komme, sondern wegen der unfassbar utopischen Preise! Was soll das bitte! Welcher normale Mensch kann sich bitte ne Bratwurst mit Pommes für knapp 10€ leisten? Wo ist das Nächstenliebe, die immer rund um Weihnachten gepredigt wird? Ihr wollt mich doch nur arm und hungernd sehen, gebt es doch zu! Und dann der ganze Süßkram… Wenn ich mir was leisten kann, dann das, es ist zwar auch überteuert, aber im Vergleich zu Glühwein, Wurst und Co. geht das noch, weil die Portionen sehr klein ausfallen, jedoch gefühlt das 20-fache an Kalorien haben!

Jaja, Essen an Weihnachten ist auch so ein Ding. Der Körper, den ich 11,5 Monate lang versuche zu halten wird “zwischen den Jahren” komplett verhunzt. Überall wo man hingeht gibt es Essen. Egal, ob herzhaft bei Omi, Mutti und Co. an den Weihnachtsfeiertagen oder der ganze Süßkram in den Läden, der “KAUF MICH! KAUF MICH!” schreit. Man wird förmlich damit beworfen und nimmt schon beim anschauen zu. Jaja, man kann auch mal sündigen, aber doch nicht nen halben Monat lang! Jeden Tag! Ich geh dann mit 10 Kilo mehr auf den Rippen und dadurch verursacht mit dem 10-fachen an Selbsthass ins neue Jahr. Ja, die Weihnachtsgans ist Tradition, die hundert Kartoffeln dazu auch und Raclette an Silvester auch, aber muss das denn sein? Kann man nicht einfach gut und gesund kochen? Muss das jedes Jahr aufs Neue sein? Ein bisschen Abwechslung würde dem auch nicht schaden. Und würde Mutti entlasten, damit sie nicht 3 Tage vorher damit anfangen muss.

Und zu guter letzt: Der ganze Schmuck! Ich liebe das! Mag sein, dass es daran liegt, dass ich weiblich bin und meinen halben Tag mit Verzieren und Schmücken verbringe, nur muss man jedes Jahr aufs Neue neuen Kram kaufen?

Ich bin so genervt von dieser schnelllebigen Kultur. Kauf ich heute Etwas, ist es morgen schon nicht mehr Up To Date. Genauso wie mit dem Weihnachtsschmuck. “Hattest du das nicht schon letztes Jahr?” Ja, ja hatte ich und ja, es sieht immer noch verdammt süß aus! Wozu soll ich noch Unmengen an neuen Kram kaufen, um den 2-3 Wochen in der Wohnung zu haben, um ihn danach eh wegzuschmeißen?!

Apropos 2-3 Wochen in der Wohnung haben und dann wegschmeißen: Hallo liebe Weihnachtsbäume, ihr wunderschönen Dinger. Ihr seid das Allerletzte.

“Zu einem gelungenen Weihnachtsfest gehört eine echte Tanne. Frisch vom Weihnachtsmarkt geholt.” höre ich oft. Und nein. In meinen Augen macht es auch eine Plastiktanne. Die kauft man einmal ein und hat sie gefühlt sein Leben lang und muss nicht jedes Jahr von Neuem Unmengen an Geld dafür ausgeben. Und wenn man den Geruch liebt, kauft man sich halt ne Duftkerze. Ich sehe das Problem daran nicht. Man hat sich so viel Zeit und Aufwand gespart.

Man könnte anhand des Blogeintrags meinen, ich sei der Grinch und ich hasse Weihnachten. Aber im Gegenteil: Ich liebe Es. Ich hasse nur die Auslegung der Menschen um mich herum. Einkaufsstress, Geschenkefindestress, Schmückstress und Kochstress. Das alles kann man einfach umgehen und ein schönes, ruhiges, besinnliches Weihnachtsfest erleben mit dem, was am wichtigsten ist: Den engsten und liebsten Menschen um einen herum.