Wie Streaming-Dienste mein Leben veränderten – und das nicht zum Positiven

Jeder kennt sie, Streaming-Dienste à la Netflix, Spotify und co. und vor allem: Fast jeder nutzt sie. Die einen mehr, die anderen weniger.
Ich hingegen bin Dauernutzer. Es gibt keinen Tag, an dem ich meine Freizeit nicht damit vergeude, mich mit Netflix und co. vollzudröhnen. Meine ganz legale Droge quasi.

Begonnen hat die Misere vor über zwei Jahren, um genau zu sein an meinem 18. Geburtstag. Anfangs nicht viel genutzt, entwickelte es sich langsam zu wöchentlich, später zu täglich und heute ist es freizeitfüllend. Versteht mich nicht falsch, diese Dienste haben das Leben um einiges leichter gemacht. Man muss nicht mehr in die Stadt laufen, um sich mit Filmen/Musik einzudecken, Leihgebüren zahlen oder gar illegal im Internet runterladen, nein, man kann einfach monatlich eine Gebühr von x Euro zahlen und hat sie massenweise.

Genau darin liegt mein Problem. Hat man eine Acht-Staffel-Serie beendet, beginnt man eine Neue. Hat man die beendet, folgt die Nächste. Genau dasselbe mit Musik. Man hat Zugriff auf fast alles. Immer und überall. Man wird zugemüllt, nimmt nichts mehr bewusst war. Früher zu meinen Kindeszeiten (oh man, ich höre mich an wie meine Eltern!) war es für mich das Größte, mich unter der Woche abends oder wochenends Mittags vor den Fernseher zu setzen und zusammen mit der Familie oder auch alleine (ich hatte früh einen eigenen Fernseher) Filme und Serien zu schauen. Und das nicht, um meine Freizeit irgendwie rum zu kriegen oder um im Freundeskreis mitsprechen zu können, sondern um des Filmes Willen.

Auch ins Kino gehe ich seltener und kaufe seltener Musik, einfach, weil ich alles On Demand habe. Aber genau darum geht es mir hier. Ich nehme nichts mehr bewusst wahr, schaue, um es geschaut zu haben, nicht mehr um meine Freizeit zu genießen und komme durch den Überfluss nicht mehr zur Ruhe. Früher habe ich einen Film in der Woche geschaut – heute sind es 2 am Tag. Früher habe ich mir ein Album im Monat gekauft – heute sind es 10 in der Woche. Ich bin so gestresst wie schon lange nicht mehr und das nur, um im Freundeskreis mitsprechen oder Empfehlungen tätigen zu können.

Finanzell gesehen lohnen sich die Angebote natürlich, vor allem für Dauernutzer wie mich, aber mein altes Sammlerherz hat doch lieber physisch etwas da stehen, als gar nichts, daher kaufe ich Serien, Filme oder Musik nochmal nach, wenn sie gefallen. Keine Blindkäufe mehr, über die man sich später ärgert, juhu!

Auch das ständige “Was schauen wir heute Abend?”, wenn man bei Freunden ist und dieses ständige rumgescrolle ärgert mich. Man verbringt meist mehr Zeit damit, auszusuchen, was man nun schaut als mit dem eigentlichen Film, bei dem man letztenendes sowieso wegpennt oder am Handy hängt. Muss das denn sein? Ich mache das im Kino doch auch nicht. Man hat einfach den Respekt davor verloren und weiß die Filme und die Musik nicht mehr zu schätzen.

Deswegen mein Appell an Euch, aber vor allem an mich: Nehmt Euch die Zeit und genießt die paar Stunden und geht bewusster mit den Dingen um, die man um den Kopf geschmissen bekommt. Überlegt vorher, was man wann wo schaut oder hört. Natürlich können es weiterhin täglich 10 Folgen der Serie X sein. Nur seid euch dem bewusst und würdigt das mit eurer kompletten Aufmerksamkeit.